← Insights

EN — English version

#19 · RTX 2080 Ti mit 22 GB aus China: Kauf, Import und Reklamation

· LYTH-REST-Publisher

Vor einigen Wochen haben wir gesehen, dass es in China gemoddete RTX 2080 Ti für kleines Geld gibt. Die Preise sind zwar mittlerweile von anfangs etwa 250 Euro auf knapp 400 Euro gestiegen, aber 22 GB CUDA-fähiger Grafikspeicher sind für dieses Geld immer noch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Also haben wir zwei Karten bei Alibaba bestellt. In diesem Artikel beschreiben wir, wie der Kauf abgelaufen ist, worauf man beim Import achten sollte und wie es bei Reklamationen aussieht. Um es vorwegzunehmen: Inzwischen haben wir noch zwei GPUs nachgekauft.

Die vier Karten mit zusammen 88 GB Grafikspeicher arbeiten inzwischen bei uns im LLM-Alltag; über die Nutzungsergebnisse berichten wir separat.

Warum gerade diese Karten

Eine RTX 2080 Ti auf einem Tisch neben Versandkarton, Schaumstoff und Antistatikverpackung
Eine der Karten mit ihrer Versandverpackung.

Eine RTX 2080 Ti hat ab Werk 11 GB Grafikspeicher. Für den Umbau auf 22 GB werden ihre elf Speicherchips gegen solche mit doppelter Kapazität getauscht und die Firmware der Karte angepasst. Das macht die Gebrauchtkarten für KI-Anwendungen interessant, bei denen oft zuerst der Speicher knapp wird.

Allerdings kann eine falsch angepasste Firmware 22 GB melden, obwohl der zusätzliche Speicher nicht zuverlässig nutzbar ist. Deshalb sollte ein Test den gesamten verfügbaren Speicher beschreiben und die Daten wieder auslesen. Auch eine korrekt gemeldete Kapazität allein beweist noch keine Stabilität unter längerer Last.

Bestellen trotz Deutschlandsperre

Zunächst haben wir den chinesischen Gebrauchtmarkt Xianyu ausprobiert. Praktisch scheiterte der Zugang an der benötigten chinesischen Telefonnummer. Wir wechselten deshalb zu Alibaba und bestellten beim Händler Huateng.

Auch dort gab es eine Hürde: Dem Händler fehlte die deutsche Elektroaltgeräte-Registrierung, deshalb ließ Alibaba keine deutsche Lieferadresse zu. Im Adressfeld landete stattdessen ein chinesischer Spediteur, unsere deutsche Adresse stand unter „Remarks“, also in den Bemerkungen. Das Paket kam bei uns an.

Solche unterschiedlichen Adressangaben können den Käuferschutz und die Klärung von Transportstreitigkeiten erschweren. Was tatsächlich abgesichert ist, hängt von den konkreten Vertrags- und Schutzbedingungen ab. Für die erste Bestellung über rund 890 US-Dollar akzeptierten wir das Risiko. Bei einem später erwogenen, deutlich größeren Kauf von CMP 170HX haben wir uns das nicht getraut.

An Rechnung und Versand waren mehrere Firmen beteiligt. Für unsere Buchhaltung war deshalb wichtig, Zahlung und Handelsrechnung über die Bestellreferenz eindeutig zuzuordnen.

Was bei der Einfuhr dazukommt

Bei korrekter Einreihung als Grafikkarten unter der Warennummer 8471800000 beträgt der Zollsatz 0 Prozent. Es fallen aber 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an. Privatkäufer tragen diese Kosten. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen können die Steuer abziehen, wenn die Einfuhr für ihr Unternehmen erfolgt und die passenden Belege vorliegen.

So sah die Abrechnung unserer ersten Bestellung tatsächlich aus:

Position Betrag
Zollwert, umgerechnet zum amtlichen Zollkurs 766,05 EUR
Zoll 0,00 EUR
Einfuhrumsatzsteuer, 19 Prozent 145,55 EUR
Aufwendungspauschale des Transporteurs 17,85 EUR
Zahlung an den Transporteur 163,40 EUR
davon als Vorsteuer zurückgeholt −148,40 EUR
Abfertigungskosten nach Vorsteuerabzug 15,00 EUR

Die 148,40 Euro Vorsteuer bestehen aus 145,55 Euro Einfuhrumsatzsteuer und 2,85 Euro Umsatzsteuer auf die Transporteurpauschale. Die verbleibenden 15 Euro sind ausschließlich die Netto-Abfertigungskosten. Kaufpreis, Fracht und Zahlungsgebühren kommen zusätzlich dazu.

Der Händler wollte zunächst eine falsche Warennummer und einen zu niedrigen Warenwert angeben. Wir ließen beides korrigieren. Für ein Unternehmen mit vollem Vorsteuerabzug bringt Unterdeklaration hier keinen endgültigen Steuervorteil. Privatkäufer würden rechnerisch Einfuhrumsatzsteuer sparen, weil sie diese nicht zurückbekommen. Falsche Wertangaben sind trotzdem unzulässig.

Vor dem Versand sollte außerdem feststehen, wer die Einfuhr übernimmt und auf wen die Belege ausgestellt werden. Für uns war DAP mit Einfuhr auf die GmbH der klarere Weg: Der Verkäufer organisiert den Transport, wir kümmern uns um die Einfuhrabfertigung. Bei DDP übernimmt der Verkäufer auch die Abfertigung. Erfolgt die Einfuhr auf seinen Namen, ist die dort gezahlte Steuer nicht automatisch unsere Vorsteuer.

Daneben bleiben CE-Konformität und die Regeln für Elektroaltgeräte zu beachten, bei der Einfuhr ebenso wie bei einem möglichen Weiterverkauf. Nach dem Speicherumbau ist die ursprüngliche Konformität nicht selbstverständlich. Eigenbedarf ist kein Freibrief; umgekehrt wird auch nicht jeder Importeur automatisch zum Hersteller.

Eine Karte fällt beim ersten Lasttest aus

Die erste Lieferung kam gut eine Woche nach der Bestellung an. Eine Karte lief problemlos. Die andere wirkte zunächst ebenfalls in Ordnung, stürzte aber schon beim ersten Lasttest nach wenigen Minuten ab. Bei Wiederholungen traten die Ausfälle häufiger auf, bald wurde sie beim Booten nicht mehr sauber erkannt.

Wir suchten ausführlich mit anderer Hardware nach dem Fehler und verwendeten die zweite Karte als Kontrolle. Sie lief in allen Versuchsanordnungen. Unsere wiederholten Belastungstests könnten den Schaden verstärkt haben; heute würden wir beim ersten Fehler stoppen und zunächst die Kühlung prüfen. Der erste Ausfall war allerdings bereits im ersten Test aufgetreten. Die Ursache konnten wir damit nicht beweisen.

Die Reklamation bei Huateng und Alibaba

Huateng bot anfangs Ersatz oder Erstattung an. Später verlangte der Händler die Rücksendung und führte den Defekt auf hohe Temperaturen beziehungsweise Fehlbedienung zurück. Wir beantragten eine Erstattung und legten Alibaba unsere Fehlerdokumentation vor.

Die gemessenen 80 °C am GPU-Chip sagen allerdings nichts über die Temperatur der Speicherchips aus. Deren Temperatur war bei dieser Karte unter Linux nicht abrufbar.

Alibaba schlug zunächst eine Erstattung von 0 US-Dollar vor. Nach unserem Widerspruch wurde der Fall wieder geöffnet. Statt weitere Beweise zu produzieren, suchten wir schließlich eine pragmatische Lösung mit dem Händler. Ein technischer Defektnachweis erspart einem die Rücksendung also nicht automatisch.

Für 25,49 Euro zurück nach Hongkong

Die Rücksendung war günstiger als gedacht. Statt der von uns geschätzten 50 bis 80 US-Dollar kostete das DHL-Paket nach Hongkong 25,49 Euro. Es war ungefähr zehn Tage unterwegs.

Wir deklarierten die Karte als Warenrücksendung mit dem Originalwert als Grundlage, weder als Geschenk noch mit einem Wert von null. Kauf- und Rücksendebelege sollte man aufbewahren. Außerdem hielten wir fest, dass eine kostenpflichtige Reparatur erst nach unserer Freigabe erfolgen durfte.

Die Reparatur und die zweite Bestellung

Einige Tage nach der Ankunft meldete die Fabrik drei „durchgebrannte“ Speicherchips und veranschlagte 45 US-Dollar für die Reparatur. Fotos oder Messwerte bekamen wir nicht. Die Zahl der betroffenen Chips belegt keine Fehlbedienung; auch unsere eigene Vermutung zur Ursache blieb unbewiesen.

In den Hausregeln des Händlers war das Durchbrennen von Chips pauschal von der Garantie ausgeschlossen. Solche Bedingungen sollte man vor dem Kauf lesen. Wir einigten uns auf 40 US-Dollar für die Reparatur, der Händler übernahm den Rückversand. Ein Schuldeingeständnis war diese Einigung ausdrücklich nicht.

Wir bestellten noch einmal zwei Karten. Die neuen kamen per DAP mit FedEx. Die reparierte Karte wurde separat per DDP mit DHL verschickt und traf zwei Wochen nach den neuen ein. Die Reparatur war erfolgreich. Mit der Rückkehr der vierten Karte Ende Oktober liefen schließlich alle vier.

Die Karten im Alltag

Im Betrieb empfinden wir die Karten als wunderbar leise, sogar unter Last. Mit rund 80 °C am GPU-Chip werden sie allerdings recht warm. Eine gute Belüftung ist deshalb wichtig.

Mehrere RTX 2080 Ti mit Radiallüftern nebeneinander in einem Holzrahmen, dazu Stromkabel und zusätzliche Lüfter
Unser Aufbau mit mehreren Karten und zusätzlichen Lüftern.

In den nächsten Artikeln werden wir beschreiben, was die Karten können und was sie leisten.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Der erste Kommentar wird manuell freigegeben.